Kunst   Standpunkte

Adriana Stadler und Lea Achermann haben mit ihren "Standpunkten" in die dreistöckige Halle fünf Zeichnungen gesetzt. Beim Betreten der Halle fallen zuerst verschiedene farbige Liniengebilde auf, die sich über den ganzen Raum erstrecken. Die Linien überzeichnen alle Raumelemente wie Wände, Glas, Decke, Säulen etc. Ihr auf den ersten Blick zufälliges Auftauchen passt zur Betriebsamkeit des Ortes. Dadurch, dass die Linien zum Teil fast unmögliche Orte überschreiben, machen sie stutzig. Ein Rätsel, das gelöst werden will.

Erst beim aktiven Durchschreiten und Erleben der Halle setzt sich bei einem bestimmten Standpunkt plötzlich ein deutliches Bild zusammen: Eine Ameise, ein Farn, eine Frau, die den Sprung ins Wasser wagt, ein Labyrinth und eine DNS-Spirale. Von einem Standpunkt aus ist jeweils nur eine Zeichnung überblickbar.

Sobald sich ein Bild zusammensetzt und vom Auge fokussiert wird, klappt der Raum dahinter scheinbar weg, ordnet sich der neuen Wirklichkeit der Zeichnung unter. Doch nur ein paar Schritte weiter, und die Zeichnung löst sich wieder auf! Sie entwickelt, je nach Projektionswinkel ein Eigenleben.

Wer sich auf diese poetisch-abstrakten Wandbilder einlässt, hat keineswegs den falschen Standpunkt. Das unvoreingenommene Beobachten von Details, die ihren logischen Zusammenhang nicht sogleich preisgeben, ist ebenfalls aufschlussreich.

Inhaltlich bezieht sich die Arbeit auf die Funktion des Hauses. In den letzten Schuljahren sollen die Jugendlichen auf des Leben vorbereitet werden. Es geht darum, Standpunkte zu suchen, zu überprüfen, verschiedene Standpunkte akzeptieren zu lernen. Aus anderen Standpunkten ergeben sich ungewohnte Perspektiven. Die Komplexität des Lebens ist nie in einem Moment überblickbar.