| Wilhelm Tell einmal anders |
Altdorf, 1. Oktober 2002. Ein weisser Bus mit deutschen Kontrollschildern
fährt auf den Schulhausplatz Bernarda vor. Eine Schulklasse aus Backnang,
in der Nähe von Stuttgart, ihre Lehrpersonen, und Herr Andreas Frey,
der Regisseur, steigen aus. Was hat ein Regisseur mit einer Schulklasse
zu tun? |
Idee und Realisierung Seit
November 2001 haben sich die Schüler der 7a Realklasse von Backnang
im Rahmen eines Gewaltpräventionsprojektes "Power ohne Fäuste"
intensiv mit Schillers "Wilhelm Tell" befasst. Dazu gehörte
das Einstudieren des Theaterstücks, der Bau der Kulissen und das Nähen
der Kostüme.
Das Ergebnis des Projektes sollte auch präsentiert werden, wenn möglich
am Originalschauplatz in Altdorf.
Die Lehrkräfte der 8. Klassen zusammen mit ihren Schülerinnen
und Schülern haben dies ermöglicht. Wir haben die Organisation
an die Hand genommen und Unterkünfte, Verpflegung und ein Rahmenprogramm
für unsere Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland vorbereitet.
Die Begegnung beginnt mit dem Auspacken des Gepäcks, der Kulissen und
Requisiten. Alles wird in der Aula des Hagenschulhauses deponiert, fein
säuberlich sortiert und dann heisst es, die Bühne herzurichten.
Und schon geht es los. Die Theaterspielerinnen und Spieler zusammen mit
ihrem Regisseur beginnen noch am selben Abend mit Vorspielen einzelner Szenen,
um sich an den neuen Spielort zu gewöhnen. Parallel dazu fand ein organisiertes
Kennenlernspiel statt. Die Freunde aus Deutschland werden schon mit unserem
Nationalsport, dem Jassen, vertraut gemacht und die Bekanntschaften untereinander
beginnen zu funktionieren.
Der erste Abend wird mit einer gemeinsamen Spaghettata im Foyer des Bernardaschulhauses
abgerundet. Anschliessend, nach den feinen von den Schülerinnen und
ihren Hauswirtschaftslehrerinnen zubereiteten Nachtessen mit einem, wie
kann es auch anders sein bei einem Tellprojekt, knackigen Apfel als Dessert,
gehen die Kinder zu den zugeteilten Gastfamilien.
Erzählerin |
Theaterspiel Der
Mittwochmorgen dient noch der Hauptprobe, wo Schülerinnen und Schüler
aus Altdorf bei Sprechproben ebenfalls teilnehmen dürfen. (Es haben
sich auch einige Tellspieler angemeldet, um ihre Standardsprache zu verbessern.)
Nach dem Mittagessen sind wir alle gespannt, was uns die Kinder aus Backnang
vorspielen. Zweimal ist die Aula bis zum letzten Platz gefüllt. Die
Kinder spielen eine eigene Fassung des Wilhelm Tell Spieles. Damit Schillers
Gedanke in einer knappen Stunde über die Bühne gehen kann, wird
die Geschichte teilweise kommentiert. Mit einer sonoren Stimme leitet ein
Mädchen uns durch das Theaterstück. Die Spielerinnen und Spieler
haben ihre Rollen souverän gespielt und trotz Nervosität und sehr
fachkundigem Publikum haben sie ihre Aufgabe bravourös gemeistert.
Vom Apfelschuss bis zum Tellssprung und zuallerletzt zum tödlichen
Schuhs in der Hohlen Gasse klappte alles. Dem Regisseur Andreas Frey, dem
Musiker Franz Herold und ihren Assistenten ein Kompliment. Zur Musik darf
gesagt werden, dass ausschliesslich bekannte Schweizer Volkslieder zum Besten
gegeben wurden, und dies sowohl vom Schulchor wie auch vom Gitarristen.
Gessler verhört Tell |
Tellmuseum Mit
einem Fussmarsch nach Bürglen zum Tellmuseum rundeten die Gäste
den Tag ab. Unter fachkundiger Führung von Thomas Christen und Sepp
Grossrieder, der übrigens als Tellspieler schon mehrmals Furore gemacht
hat, erhielten die Jugendlichen eine Geschichtsstunde, die sie nie vergessen
werden. Mit vielen interessanten Eindrücken befrachtet, zogen die Schuljugendlichen
wieder nach Altdorf zum Lehn, wie damals Tell und Walter. Nur warteten diesmal
kein Hut, sondern die Schülerinnen und Schüler von Altdorf. Nach
etwas Ausgang in Altdorf, hiess es wieder Nachtruhe.
Gessler verlangt den Schuss |
Rütlitag und Tellskapelle
Alle Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen
des Unterrichtsteams 8 aus Altdorf und die Gäste aus Deutschland besuchten
gemeinsam das Rütli. Gut ausgerüstet mit Proviant und gespannt,
wie es so ist in einer Gruppe von 120 Personen, bestiegen wir das Schiff
und fuhren zum Rütli. Die vielen Ahas und Fotoaktivitäten liessen
uns ahnen, dass es den Gästen gefiel. Auf der Rütliwiese wurde
nochmals ein wenig Schweizergeschichte bewusst. Nach einem feinen Mittagessen
aus dem Rucksack gestiftet von den altorfer Gastfamilien ging es mit dem
Dampfschiff zur Tellsplatte, diesmal aber ohne Tellssprung. Nach der Besichtigung
der Kapelle wanderten wir über den Weg der Schweiz nach Flüelen,
wo noch Zeit übrig blieb, Gedanken auszutauschen.
Herolde |
Abschied Nachdem
die Zelte im wahrsten Sinne des Wortes in der Aula und in den Gastfamilien
abgebrochen waren, hiess es Abschied zu nehmen. Erstaunlich wie die Jugendlichen
in kurzer Zeit sich sehr nahe kamen und wie herzliche Freundschaften aufgebaut
waren. Mit einer Frage wurden wir Lehrkräfte des öfteren konfrontiert:
„Gehen wir auch einmal nach Deutschland, Bitte, Bitte?“ Punkt
um 09.00 Uhr verliess der Bus mit unseren lieben Gästen Altdorf, nicht
ohne Tränen zu vergiessen. Wie per Mail mitgeteilt, ist man gut angekommen,
und die Backnanger sowie die Altdorfer gehen dem gewohnten Alltag nach.
Dankeschön den vielen guten Geistern - den Gastfamilien, den Lehrpersonen
und insbesondere dem Regisseur und Carchauffeur, Herrn Andreas Frei. Es
war ein gutes Projekt.
Volk von Uri |
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